Texte 03 – zwei monde

 

Zwei Monde

 

Ich blicke aus dem fenster

sehe am nächtlichen sternenklaren himmel

zwei monde

zwei viertelkreisetwaförmige mondsicheln

übereinander und versetzt

der vordere ja wesentlich heller als der oberhalb und hintere

ich blicke noch einmal hinaus

um auch sicher zu gehen sicher zu sehen

immer noch

die beiden

sinds meine augen

ists der alkohol

ich trete ein drittes mal seit dem es mir aufgefallen an das fenster

es ist offen und direkt über meinem bett

mit den massen etwa von 80 cm breite und 120 cm in der höhe

ein für fachwerkhäuser durchaus übliches mass

und keineswegs unüblich

und sehe immer noch dieses aussergewöhnliche bild der beiden monde

drehe den kopf

schiebe ihn mal nach links mal nach rechts

kneife mit den augen

werfe den kopf in den nacken

wieder ruckartig nach vorne

halte mir ein auge zu

dann das andere

es gelingt mir nicht die beiden monde eins werden zu lassen

es bleiben stetig

und unverdrossen

die zwei

ich versuche das mass zu nehmen

zwischen der vorderen oberen  und der hinteren unteren sichelspitze

um eine etwaige veränderung festzustellen

es sind ungefähr so genau und mit meinen bescheidenen mitteln einem meterstab

lässt sich das kaum ermitteln

ich lege mich auf etwa 50 bis 70 cm fest

erstaunlich dass und genau in diesem moment da ich meine messungen durchführe

blinkend

und etwa 12,50 meter tiefer von rechts nach links also hier von

südsüdost nach nordnordost also fast im winkel von 180 grad

ein flugzeug wie ich an der bewegung vermute

meinen blickwinkel kreuzt

die überlegung liegt nahe ob die passagiere obschon mitten in der nacht

es ist 3:25 uhr

noch wach

und wohin sie fliegen

dieses phänomen der beiden monde auch beobachten

ja vielleicht sogar auch den abstand versuchen mit den ihnen zur verfügung stehenden hilfsmitteln

etwa einem handarbeitsnähband was unter umständen und im gepack griffbereit

zu messen

und ob sie zu anderen werten kommen

schade das in diesem moment sich ein wenn auch kleines aber immerhin

wolkenband

anschickt in mein blickfeld und über die monde zu schieben

und exakt um 3:32 sind nun und tatsächlich beide nicht mehr sichtbar

so dass ich auch letztlich keine gewissheit habe

ob es nun zwei oder doch nur ein

mond waren

ich vergewissere mich noch einmal

atme diese herrliche nächtliche luft

eine mischung aus sternen monden und dem lindenbaum gegenüber

stelle fest dass auch und sehr angenehm eine ganz leichte brise aufkommt

die die vermischung dieser düfte noch voran und vor sich her treibt

von den monden ist nix mehr zu sehen

so als ob sie nie in meinem

und dem blickfeld der fluginsassen

die mittlereweile weißderhimmel wo angekommen oder gar schon  gelandet sind

weit können sie aber noch nicht gekommen sein

gewesen sind

 

eigenartig diese wahrnehmung auch die überlegung

wie ein mond sich teilt in zwei und dann wieder eins wird

immer eins war

eigenartig wieder dieses neue gefühl

dieser trieb

dieser drang

sich einem menschen zu nähern

ja seine nähe zu suchen

sich ihm anzuvertrauen

sich ihm  zu offenbaren

seine nähe zu spüren über entfernungen hinweg

sie aushalten wollen

sie wollen

sie nicht mehr missen wollen

ihn zu wollen

ihn zu lieben

bereit

beseelt

sich ihm hinzugeben

mit ihm eins zu sein

in ihm zu sein

diese innerliche lust zu spüren

unentwegt

immer dran denken müssen

mit jeder pore der haut

denken

an ihn

  

unruhe kommt in mir auf

blicke wieder aus dem fenster

das wolkenband ist wohl dem flugzeug warum auch immer in  nordnordost gefolgt

die beiden monde  wieder sichtbar hingegen haben sich in südsüdost bewegt

sind kurz vor dem kirchturm der sie bald verdecken wird

der kirche die gewohnt über jahrhunderte hinweg den lauf der gestirne zu bestimmen

ich beeile mich eine neue abstandsmessung durchzuführen

um vielleicht eine annäherung

ein aufeinanderzugehen der beiden

festzustellen

stelle es fest

 

dieser moment

wenn sich zwei

annähern

sich näher kommen

bereit sich zu

vereinen

dieses gefühl  einzudringen

einzugleiten

dieses gefühl sich zu öffnen

aufzunehmen

den rhythmus zu suchen

zu finden

beide

lust

leidenschaft

raum zeit monde sterne vergessen

alles

nur zwei sein

nur liebe sein

schneller

wilder

verschmelzen

immer

nieendenwollend

gerüche

düfte

breiten sich aus

umhüllen

verschwinden

kommen zurück

stärker

tiefer dringt die lust

in uns

weiter

weiter

weiter

unbeschreiblich dieses gefühl

ein glück

es zu leben

der wind draussen wird stärker

ich kann durch das geöffnete fenster im hintergrund blitze erkennen

plötzlich alles in aufruhr

blätter in den bäumen

blätter auf meinem schreibtisch hier

alles will ein finale

den zieleinlauf

gemessen

gestoppt

geehrt

 

tiefer

tiefer

dring ein in mich

komm in mich

ich will dein sein

ich will du sein

will mit dir

einssein

 

es ist immer wieder dieses gefühl

dieser drang

zurück

zurück in den mutterleib

ein teil von dir

Ich

 

 

ich bin verrückt

Ich

14.05.2003    
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

 

4 Antworten zu “Texte 03 – zwei monde”

  1. ……… und super schreiben kannst Du auch!!!!!!!!!!!

  2. Brigitte Sagt:

    kommt mir sehr bekannt vor!

  3. ich bin verrückt

    Ich

  4. dieser moment

    wenn sich zwei

    annähern

    sich näher kommen

    bereit sich zu

    vereinen

    dieses gefühl einzudringen

    einzugleiten

    dieses gefühl sich zu öffnen

    aufzunehmen

    den rhythmus zu suchen

    zu finden

    beide

    lust

    leidenschaft

    raum zeit monde sterne vergessen

    alles

    nur zwei sein

    nur liebe sein

    schneller

    wilder

    verschmelzen

    immer

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